Allein nach Tranquebar

Noch in Deutschland wurde mir der Tipp gegeben, wenn ich schon im Süden Indiens bin,  mir doch einmal Tranquebar anzuschauen. Heute heißt der Ort Tharangambadi und liegt rund 270 Kilometer südlich von Chennai.

Tharangambadi ist heute ein beliebter Ausflugsort

Vor 300 Jahren war Tranquebar Stützpunkt der dänischen Kolonie.  Im Auftrag des dänischen König wurde der sächsische Theologe Bartholomäus Ziegenbalg (siehe nächster Blogeintrag) 1706 vom dänischen König als erster protestantischer Missionar dorthin entsandt. Der Ausflug nach Tharangambadi war zugleich meine erste Tour alleine und deshalb einen extra Eintrag wert.

Das Fort stammt noch aus der dänischen Kolonialzeit

“Sechs Stunden Fahrt für 270 Kilometer?“, anfangs wollte ich nich so recht glauben, dass es so lange dauern würde, um nach Tharangambadi zu kommen. Sollte ich es trotzdem machen, war es den Aufwand wert?

Nachdem ich erfahren hatte, dass es zwar einen durchgängigen Bus gibt, dieser aber nur mitten in der Nacht ankommt, entschied ich mich für die Bequemvariante, einen Fahrer mit Auto mieten. Das Gute daran ist, man braucht sich um nichts, wirklich gar nichts zu kümmern. Aber ein bischen gewöhnungsbedürftigt ist es…

Pünktlich um 7 Uhr steht der Fahrer vor der Tür. Er spricht etwas englisch und will natürlich sofort wissen, was ich beruflich mache. (Manche Inder sind sehr neugierig. Man kann es auch so sehen: das Gespräch mit einem Ausländer ermöglicht ihnen einen Einblick in eine Welt, die sie möglicherweise nie mit eigenen Augen werden sehen können). Als ich meinem Fahrer erzähle, was ich mache, erzählt er mir auf gebrochenem Englisch, dass auch er schreibe, vor allem auf Facebook und zeigt mir stolz seine Einträge, die ich nicht verstehe, weil sie auf Tamil sind.

Nach etwa zwei Stunden machen wir unsere Frühstückspause, die mein Fahrer mit der Frage ankündigt, ob ich einen Kaffee möchte. (Den anderen zu fragen, ob er was möchte, ist die indische Art auszudrücken, dass man gerade selbst ein Bedürfnis hat).

Vasantha Bhavan – eine beliebte Restaurantkette und das Essen schmeckt lecker
In Südindien wird mit den Händen gegessen, deshalb gibt es in jedem Restaurant im Raum ein Waschbecken zum Händewaschen

Nach einem Dosa und Kaffee (siehe mein Blogeintrag zum indischen Frühstück), geht es weiter. Je weiter wir in Süden kommen, desto mehr verändern sich Straßen und Landschaft. Die Straßen werden schmaler und enger, was meinen Fahrer keineswegs davon abhält möglichst schnell zu fahren, bei jeder Gelegenheit zu überholen oder es zumindest zu versuchen.

Hier  ein paar Eindrücke von der Fahrt:

Wir sind nahe am Indischen Ozean und überqueren einige Flüsse, die direkt ins Meer führen
Einige Eindrücke von der Fahrt…
Gegenverkehr…
Je weiter südlicher wir kommen, desto ländlicher die Gegend…
Hier sind viele Häuser mit Schilf gedeckt
Zwischenmahlzeit eine frische Kokosnuss

Nach einer Weile fragt mich mein Fahrer, ob ich Lust auf eine Kokosnuss habe. Wir nehmen beide gleich zwei, weil die Früchte so lecker sind. Zuerst wird der Saft getrunken, dann schneidet der Händler die Frucht so auf, dass man das Fleisch essen kann. Dabei schnitzt er in Sekundenschnelle aus einem Teil der Nuss einen Löffel. Was für eine pragmatische Lösung!!! Da die Nuss noch relativ frisch ist, ist das Fleisch glitschig und sehr weich.

vorbei an Reisfeldern

Nach sechs Stunden Fahrt erreichen wir endlich Tharangambadi, das früher den europäischen Namen Tranquebar hatte.

Das Stadttor erinnert sehr daran, dass hier mal Europäer lebten.
mein Hotel, nicht zu übersehen
ein typischer Straßenzug, auch Ziegen gehören dazu
am Strand

Tharangambadi liegt direkt am indischen Ozean. So verlockern es aussieht, Baden ist hier leider nicht möglich. Auch die einheimischen Touristen strecken nur ihre Füße ins Wasser. Ich bin überrascht, wie gewaltig die Strömung ist. Mit jeder Welle werden gut 10 Zentimeter Sand unter meinen Füßen ins Meer gespült. Als an Weihnachten 2004 der Tsunami kam, wurden auch hier die Fischerboote zerstört und viele Menschen starben. Hilfe kam damals auch aus Deutschland, u.a. aus Ziegenbalgs Heimatstadt Pulsnitz. Die Boote konnten  ersetzt werden, doch wie die Menschen hier das Trauma überlebten bzw. welche Wunden der Verlust von Eltern, Verwandten oder Freunden geschlagen hat, lässt sich nur erahnen.

auch Ziegen „müssen“ mal

 

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