Strandspaziergang auf indisch

„Hättest du noch Lust mit an den Strand zu kommen?“ Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Chennai liegt am Indischen Ozean. Was könnte es da Schöneres geben als einen Abendspaziergang am Wasser? „Können wir nicht direkt im Sand am Wasser gehen?“, frage ich meine Begleitung. „Ich glaube kaum, dass du das möchtest“, so die Antwort. Der Strand ist für die Menschen, die hier im Fischerdorf leben, auch ihr Badezimmer. Später werde ich erfahren, dass schätzungsweise jeder Zehnte Inder kein eigenes Bad hat. Besonders für Frauen und Kinder ist es gefährlich, wenn sie bei Dunkelheit Ihre Häuser verlassen müssen, um ihre Notdurft zu verrichten.

Wie schade. Schon im Vorfeld der Reise hatte ich mich darauf gefreut, im Meer spazieren gehen zu können. Doch auch der Gang durchs Fischerdorf ist spannend. Beim Blick durch die offene Wohnungstür fällt mir das Fernsehgerät auf. „Den gab‘s als Geschenk bei einer der letzten Wahlen“, erklärt mir meine Begleitung.

 Von Geschenken dieser Art hatte ich schon gehört, aber bislang dachte ich, das wären kleinere wie ein Stück Seife etc.

„In dieser Familie gab es wohl was zu feiern“, höre ich meine Begleitung sagen. „Dann  werden die Häuser bunt angemalt“.

 In diesem Dorf ist das bunte Haus auffällig. Später werde ich solche Häuser noch häufiger sehen. Auch die „heilige Kuh“  ist an diesem Abend unterwegs, sucht sich ihr Fressen im Müll,  auf einem Grundstück,  das ebenfalls als Badezimmer benutzt wird. Zu stören scheint sie das nicht.

 

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